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Vergeblich (2) - Eine Geschichte erzählt aus zwei Perspektiven

Fassungslos starrte sie ihre Mutter an. „Das ist ja wohl ein schlechter Scherz, oder? Du kannst das nicht ernst meinen, hab' ich Recht? Sag' mir, dass es nicht wahr ist!“ Ihre Stimme überschlug sich vor Bestürzung. Doch ihre Mutter schüttelte betreten den Kopf. „Sieh mal, es war ein Unfall. Tobi ist doch noch so klein. Und es war doch nur ein Kuscheltier...“ Als ihre Mutter den letzten Satz aussprach, reichte es ihr endgültig. Wütend stürmte sie in ihr Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu. War das zu fassen? Unglaublich, wirklich. Wie immer nahm ihre Mutter ihren kleinen Bruder in Schutz. Tobi hier, Tobi da, immer die gleiche Leier. Und jetzt hatte der „kleine Engel“ mal eben ihren Lieblingsteddy zerfetzt. Wenn es weiter nichts war. Aber Benni, so war der Name ihres Bärens gewesen, war ja „nur ein Kuscheltier“. Ein Kuscheltier, welches ihr ihr verstorbener Vater geschenkt hatte und an dem so viele Erinnerungen hingen. Das sie durch ihr bisheriges Leben begleitet hatte und das mit ihr durch Dick und Dünn gegangen war. Dem sie immer alles hatte erzählen können, wenn ihr sonst niemand zugehört hatte. Benni war wie ihr bester Freund gewesen. Und ihre Mutter hatte das genau gewusst. Mit all ihren Sachen hatte sie Tobi spielen lassen, wirklich mit allen, außer mit Benni. Wie oft hatte sie es nachdrücklich betont, weil sie eben genau diese Befürchtung gehabt hatte. Sie liebte ihren kleinen Bruder, auch wenn sie ihre Mutter dafür hasste, dass er existierte, aber das war echt zu viel. Dass ihre Mutter Tobi den Bären gegeben hatte, zeigte nur wiederholt, wie unglaublich viel doch an ihrer Tochter lag. Und obwohl sie schon so oft von ihrer Mutter enttäuscht worden war und somit eigentlich daran gewöhnt sein sollte, schmerzte es sie doch immer wieder aufs Neue. Sie wünschte sich, dass die Hoffnung, die tief in ihr schlummerte, endlich absterben würde. Ihr zurückgezogenes Verhalten ihrer Mutter gegenüber diente rein ihrem Selbstschutz. Vor allem aber fand sie das sehr begründet und konnte nicht verstehen, dass ihre Mutter immer wieder Annäherungsversuche startete. Dabei sollte sie doch inzwischen begriffen haben, dass das vergebliche Liebesmüh' war. Dazu war in der Vergangenheit einfach viel zu viel vorgefallen. Zwar hatte sie eine wunderschöne Kindheit gehabt, in der sie von beiden Elternteilen viel Liebe erfahren hatte. Doch dann war kurz nach ihrem neunten Geburtstag ihr Papa abrupt aus dem Leben gerissen worden. Tödlicher Autounfall. Von heute auf morgen. Und als wäre das für sie damals nicht schon heftig genug gewesen, war ihre Mutter auch noch zur Alkoholikerin mutiert. Wie soll ein neunjähriges Kind das verkraften? Das sollte ihr mal jemand beantworten, insbesondere ihre Mutter. Diese Zeit hätte sie ohne ihren Teddy nie überstanden, so seltsam das auch klingen mochte. Sicherlich ersetzte er keine menschlichen Kontakte, aber er war der einzige gewesen, der sich damals für sie interessiert hatte. Außerdem machte er auch ein Stück weit ihren viel zu früh verstorbenen Vater wieder lebendig. Sie hatte sowie so den Eindruck, dass dieser vom Himmel aus über sie wachte. Das, und Benni, hatten ihr Kraft gegeben. Ihre Mutter jedoch war für sie damals gestorben. Sicher, inzwischen war sie erfolgreich trocken, was Frank zu verdanken war. Seit ihre Mutter ihn kennengelernt hatte, hatte sie sich plötzlich aufgerafft, ihr Leben drastisch zu ändern. Natürlich war sie Frank dankbar, dass er ihre Mutter da wieder herausgeholt hatte, aber hätten die Beiden denn gleich heiraten und ein Kind in die Welt setzen müssen?! Hatte ihr Papa ihrer Mutter wirklich so wenig bedeutet? Eigentlich wusste sie, dass diese Aussage nicht stimmte und sogar ungerecht war, denn ihre Mutter hatte ihren Vater sehr geliebt. Doch die Hochzeit mit Frank und die Geburt von Tobi hatten sich trotzdem wie ein Verrat an ihm angefühlt. Was aber für sie persönlich das Schlimmste war, war die Frage, warum die Mutter für Frank hatte ins Leben zurückkehren hatte können, aber für ihre eigene Tochter nicht? Das sagt doch zugegebenermaßen eine Menge aus, und ganz ehrlich, das würde sie ihr niemals verzeihen können. Sie hörte, wie im Wohnzimmer ein Stuhl zurückgeschoben wurde und wusste, dass ihre Mutter gleich vor der Tür stehen und sie um Vergebung bitten würde. Auch wenn beide wussten, dass sie diese niemals erhalten würde.

28.5.16 18:50


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Vergeblich (1) - Eine Geschichte erzählt aus zwei Perspektiven

Fassungslos starrte sie ihre Mutter an. „Das ist ja wohl ein schlechter Scherz, oder? Du kannst das nicht ernst meinen, hab' ich Recht? Sag' mir, dass es nicht wahr ist!“ Ihre Stimme überschlug sich vor Bestürzung. Doch ihre Mutter schüttelte betreten den Kopf. „Sieh mal, es war ein Unfall. Tobi ist doch noch so klein. Und es war doch nur ein Kuscheltier...“ Kaum hatte die Mutter diese Worte ausgesprochen, wusste sie auch schon, dass sie zu weit gegangen war. Aber was gesagt war, blieb auch gesagt, und so konnte sie ihrer Tochter nur noch stumm zusehen, wie diese türenschlagend in ihrem Zimmer verschwand. Sie seufzte. Sie kannte diese Ausbrüche nur zu gut. In der letzten Zeit häuften sie sich, früher war das eher selten vorgekommen. Früher, als auch noch eine ganz andere Familiensituation bei ihnen zu Hause geherrscht hatte. Damals waren sie eine kleine, normale Familie gewesen; Vater, Mutter, Kind. Lisa war ein Wunschkind gewesen, und Johann und sie, sie hatten geglaubt, dass ihnen die Welt zu Füßen läge. Sie waren jung gewesen und hatten noch so viele Pläne gehabt. Das Leben lag noch vor ihnen und würde bestimmt noch viele Abenteuer für sie bereit halten, davon waren sie fest überzeugt gewesen. Als sie dann noch ein hübsches Haus mit Garten gefunden hatten, hatten sie geglaubt, ihr Glück sei vollkommen. Von solch einer Umgebung hatten sie immer geträumt. Perfekt für Lisa. Sie sollte schließlich so unbeschwert wie nur möglich aufwachsen. Und tatsächlich schien das Schicksal es gut mit ihnen zu meinen, denn ihr Tochter wurde ein fröhliches Kind, das es liebte, herumzutoben. Auch in ihrer Ehe hatte es keinerlei Probleme gegeben; ganz im Gegenteil, sie waren glücklicher gewesen als eh und je. Doch plötzlich hatte sich mit einem Schlag alles geändert. Kurz nach Lisas neuntem Geburtstag war Johann tödlich verunglückt. Es war eine Katastrophe gewesen, und Lisa, die sowie so stärker auf den Vater als auf die Mutter fixiert gewesen war, hatte tagelang kein Wort mehr gesprochen. Der Tod des Vaters war für das doch erst neunjährige Kind schwer zu verarbeiten gewesen, und eine Zeit lang hatte sie niemanden, selbst sie als Mutter nicht, an sich herangelassen. Dass auch die Mutter damit hatte fertig werden müssen, das sah ihre Tochter natürlich nicht. Dass sie dann allerdings dem Alkohol verfallen war, das war ein unverzeihlicher Fehler. Egal, wie sehr sie der Tod ihres geliebten Mannes auch getroffen hatte, sie hätte sich niemals so gehen lassen und damit ihre Tochter aus den Augen verlieren dürfen. Selbstverständlich war ihr das bewusst, und hätte sie es rückgängig machen können, sie hätte es sofort getan. Auch weil sie wusste, dass ihre Tochter ihr das nie verziehen hatte. Auch dass sie später noch einmal geheiratet und sogar noch ein Kind bekommen hatte, hatte Lisa nie verstehen können. Dabei war es Frank gewesen, der sie aus dem Alkoholsumpf, in welchem sie versunken gewesen war, wieder herausgezogen hatte. Er hatte ihr gezeigt, dass das Leben doch noch lebenswert war und sie mit seinem Trost wieder aufgebaut. Im Verlauf der Zeit wurde er zu ihrem Fels in der Brandung und noch heute gab er ihr Halt, wenn sie es nötig hatte. Als sie sich entschlossen hatten zu heiraten, zog sich Lisa, die sowie so schon ein eigentlich für sich alleine lebender Mensch gewesen war, noch mehr zurück. Erst recht, als dann auch noch Tobi auf die Welt kam. Obwohl sie den kleinen Bruder liebte, strafte sie ihre Mutter mit Verachtung. Und jetzt hatte Tobi auch noch den Lieblingsteddy aus Lisas Kindheit, an dem so viele Erinnerungen für sie hingen, zerstört. Die Mutter seufzte noch einmal. Sie wusste, dass sie, als ihre Tochter sie gebraucht hätte, nicht für sie da gewesen war. Und jetzt, wo sie bereit war, aus ihren Fehlern zu lernen, wollte Lisa nicht mehr. Doch waren all ihre Fehler wirklich Grund genug für Lisa anzunehmen, dass ihr Bruder mehr geliebt würde als sie? Und außerdem konnte sie ja wohl kaum erwarten, dass sie als ihre Mutter ihr Glück unter das der Tochter stellte. Auch sie hatte harte Zeiten durchlebt. Aber sie wusste, dass ihre Tochter sie nicht verstand. Schwerfällig erhob sie sich von ihrem Stuhl und ging zu der Tür ihrer Tochter. Nun würde sie anklopfen und einen erneuten Versöhnungsversuch starten. Auch wenn es wohl vergeblich war.

28.5.16 18:49


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