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Krieg in meinem Kopf

Am liebsten hätte sie sich die Ohren zugehalten, doch sie war mittendrin. Sie konnte dem nicht entfliehen. Die Lautstärke der Stimmen um sie herum schwoll immer mehr an. „Nein!“, wollte sie schreien. „Nein! Hört endlich auf!“ Merkten sie denn nicht, dass sie alles zerstörten? Alles und jeden um sich herum und noch viel mehr. Man hätte meinen sollen, genug wäre irgendwann genug, doch nichts da: Das Zerfleischen nahm gar kein Ende. Sie wollte etwas tun, irgendwas, nur damit sie endlich aufhörten. Stattdessen saß sie hilflos mitten in diesem Spektakel und konnte nichts tun. Nichts. Gar nichts. Ein Glück, dass ihr Bruder nicht anwesend war. Er hatte schon viel zu viel davon mitbekommen. Nein! Er sollte nicht noch weiter verletzt werden. Sie wusste, dass ihn dieses Kriegsgebiet fertigmachte, auch wenn er es sich nicht anmerken ließ. Er floh, so oft er es nur konnte, und sie war froh darum. So trug sie die schwere Last und so gehörte es sich auch. Das war ihre Aufgabe als große Schwester. Sicherlich, leicht war diese Aufgabe nicht, ganz im Gegenteil. Nach und nach fraß es sie innerlich immer stärker auf. Aber sie würde standhalten. Sie musste ihren Bruder beschützen, mit allem, was sie noch geben konnte. Komme, was wolle. Irritiert hob sie den Blick. Hm? Was war das gewesen? Völlig aus ihren Gedanken gerissen blickte sie auf und sah die Scherben am Boden liegen. Sie stammten von einer Tasse. Der Lieblingstasse ihres Vaters. Fassungslos sah sie in die Richtung ihrer Mutter, die die Tasse geworfen hatte. Als sie die vor Wut verzerrte Fratze erblickte, die ihr entgegen starrte, lief ihr ein Schauer über den Rücken. Nun verstand sie: Die Tasse hatte ihren Vater treffen sollen. Fast hoffte sie, diese Tat sei nun endlich das Ende gewesen, doch tief in ihrem Inneren wusste sie es besser. Es würde weitergehen. Immer weiter, immer weiter. Bis ins Verderben. Sie versuchte, sich zu schützen, wieder abzudriften, doch es war zu spät. Die Stimmen holten sie erneut ein. Der Raum war voll von gehässigen Seitenhieben, von Anschuldigungen, von grausamen Streitfetzen. Es ging nur ums Verletzen: Je tiefer, desto besser. Salz in die Wunde streuen. Ein Kilo, keine Brise. Warum nur, warum konnten sie nicht aufhören? Sie war es Leid, auf einem Minenfeld zu wohnen. Jeden Tag erblickte sie neue Leichen, die die zerstörte Umgebung pflasterten. Qualvoll verendende Schwerverletzte, für die jede Hilfe zu spät kam. Ein ständiger Schusswechsel tobte. Selten herrschte ein Stillstand. Wie auch? Dazu hätte man die Waffen aus der Hand geben müssen. Nein! Tag für Tag wurde der Krieg grausamer. Eine Bombe jagte die nächste. Sie wollte fliehen, so gerne fliehen. Doch es gab kein Entkommen. Selbst wenn das Gewehrfeuer verstummte, konnte sie noch immer die donnernden Schüsse hören. Nein! Es gab kein Entkommen. Überallhin verfolgte sie das Grauen, welches sie gesehen und gehört hatte. Sie wollte es loswerden, so verzweifelt loswerden, doch diese Hoffnung war illusorisch. Es gab kein Entkommen. Krieg endet nie.
7.12.15 22:30
 
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