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Zerfleischen möcht' ich dich

Er wollte sie quälen. Sie bis aufs Blut reizen. So lange, bis sie weder aus noch ein wüsste. Bis sie explodierte. Voll verzweifelter Wut und überschäumendem Zorn sollte sie die Kontrolle verlieren; um sich schlagen, Teller gegen die Wand werfen, türenknallend aus dem Raum stürmen. Volles Programm. Er wollte sie dort treffen, wo es ihr am meisten wehtat. Sie sollte leiden und bluten und schreien und weinen. Den letzten Tropfen Lebensfreude wollte er ihr aussaugen. Er würde sie provozieren und ihre tiefsten Wunden aufreißen, sodass ihr schlimmster Albtraum wahr würde. Voller Freude dachte er an den Moment, in dem der blanke Hass in ihren Augen aufblitzen würde. An dieser Qual würde er sich ergötzen. Er liebte es, sie leiden zu sehen. Nichts bereitete ihm mehr Freude als ihre Verzweiflung und ihre Angst, dass er immer und immer weitermachen würde. Irgendwann würde sie das Gefühl haben, nicht mehr bestehen zu können, sondern stattdessen in viele kleine, scharfkantige Scherben zu zerspringen, das wusste er genau. Schon jetzt, wo es doch noch gar nicht so weit war, erfüllte ihn dieses Wissen mit unglaublicher Freude und versetzte ihn in einen glückseligen und vor Befriedigung triefenden Rausch. Entkommen würde sie ihm nicht können, oh nein! Schon seit Stunden saß er hier in seinem Sessel und wartete auf den Moment, da sie die Wohnungstür aufschließen und anschließend das Wohnzimmer betreten würde. Er zählte die Minuten bis zu seinem großen Augenblick. An ihrem Leid wollte er sich ergötzen und sich daran laben. Was gab es Schöneres, als jemand anderen in die pure Verzweiflung zu treiben? Noch dazu jemanden, dessen Schwächen und Ängste man so gut kannte, als wären es die eigenen. Wenn er erst mit seinem Feldzug begonnen hatte, verfehlte kein Pfeil sein Ziel und kein Schuss ging über die Gürtellinie. Stattdessen sah sie sich seinen Tiefschlägen fast wehrlos ausgesetzt. So verlief es jedes Mal und das würde sich auch heute nicht ändern. Ganz im Gegenteil: Die Stunden, die er am heutigen Tag schon mit Warten zugebracht hatte, waren effektiv von ihm genutzt worden, denn er hatte sich besonders fiese Gemeinheiten überlegt, welche er ihr später mit größtem Vergnügen auf einem Goldtablett servieren würde. Sein Gesicht verzog sich zu einer hämischen Grimasse, als er sich den entsetzten Gesichtsausdruck ausmalte, der sie befallen würde, sobald er mit seiner ausgefeilten Schimpftirade loslegte. Nach wenigen Minuten würden ihr Tränen über die Wangen strömen, unaufhörlich und kontinuierlich. Dann würde sich ihre immense Traurigkeit in haltlose Wut verwandeln, die wie giftige Lava aus ihr hervorsprudeln und sie zum Ausrasten bringen würde. Schließlich würde sie sich nur noch wünschen, er möge endlich aufhören, doch dies würde nicht der Fall sein. Er hatte schließlich auf seinen gewaltsamen Triumph hingearbeitet, und würde sich durch nichts in der Welt davon abhalten lassen, ihn gebührend auszukosten. Sie sollte bluten, bluten, bluten, bis ihre zerfetzten Gliedmaßen zuckend auf dem Boden lägen. Ach, wie herrlich dieses Gefühl der Macht und wie wunderschön die durch ihn vollbrachte Zerstörung sein würde. Jedes Mal wieder war es ihm ein Fest.

Da, endlich! Er lauschte andächtig dem klimpernden Geräusch an der Tür, das vom Umdrehen des Schlüssels im Schloss stammte. Es war so weit! Er freute sich, wie ein kleines Kind sich auf den Weihnachtsmann freut, und blickte gespannt zur Wohnzimmertür, welche sich jeden Moment öffnen würde. Seine Tochter betrat den Raum. Seine Augen waren vor freudiger Erwartung weit aufgerissen und blitzten ihr entgegen. Vom apartischen Glückstaumel ergriffen teilten sich seine Lippen und Ströme pechschwarzer schlangenzüngiger Worte ergossen sich auf das in Schockstarre verfallene, zitternde Mädchen.

28.5.16 19:00
 
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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Elly.the.wolf / Website (28.5.16 19:54)
Wow du kannst echt gut schreiben hat dir das schon mal jemand gesagt ??


(28.5.16 20:45)
Dankeschön!

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